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Curse bringt die SINNFLUT über 2005/06
„Ich bin der erste Solo-MC in Deutschland, der vier Alben gemacht hat.“ sagt Curse im September 2005 über seine mit 27 Jahren schon erstaunliche Lebensleistung. Zwei Jahre ist es her, dass der Mindener mit Innere Sicherheit sein letztes Album veröffentlichte und nun steht mit Sinnflut Album Nr. 4 in den Startblöcken.
Dessen erste Single aus `Sinnflut` hieß Gangsta Rap und liefert auf einem Clubbeat eine eigenständige Stellungnahme zum zurzeit stärksten Sub-Genre HipHops. Repräsentativ dafür steht die Hookline: „Ich hab nichts gegen Gangsta Rap/ Ich hab nichts gegen Gangster, die rappen/ im Gegenteil, ich lieb´ den Scheiß/ doch zu viele von den Jungs glorifizieren den Scheiß“. „Gangsta Rap ist sicher die direkteste Reaktion meines Albums auf die Entwicklung der deutschen HipHop-Szene. Der Rest der Platte orientiert sich weniger an Dingen, die um mich herum passieren. Es heißt nicht Sinnflut, weil ich sagen wollte ´Alles draußen ist schlecht´, sondern weil es mir unabhängig von den Aussagen anderer darum ging, auf meinem Album Storys und Bilder zu vermitteln. Ich bin kein Hater oder Anti-Typ. Ich bin pro Ich.“ kommentiert Curse die Namensgebung.
Mit „Struggle“ released Curse erneut einen Song mit glasklarer Message und überragendem Storytelling, wie es kein anderer deutscher MC schafft. Auf der zweiten Single seines Albums „Sinnflut“ rappt Curse abwechselnd aus der Sicht zwei verschiedener Personen und inszeniert so einen fiktiven Dialog zwischen einem 16 jährigen und sich selbst. Basierend auf persönlichen Erfahrungen und Gesprächen verarbeitet „Struggle“ Frust und Zukunftsängste zu einem Track, der genau die Leute anspricht die sich mit Rap identifizieren: Deutschlands Generation Hip Hop.
Er selbst sagt über „Struggle“: „Die Typen, die in dem Song auftauchen, sind die Essenz von vielen Leuten, denen ich tatsächlich begegne. Die Kids sagen oft Sachen wie ´Ja – du fährst ja jetzt auch ein cooles Auto und so´, und ich antworte dann ´Stimmt schon, aber ich bin auch 27 und du erst 16. Du hast elf Jahre Zeit, um da hinzukommen, wo ich bin oder wo du sonst hin willst. Ich hatte mit 16 auch kein cooles Auto und keine Ahnung, ob ich mal ´nen Job oder ´nen Plattenvertrag bekomme. Dein Leben ist das, was du daraus machst.´“
Über den Entstehungsprozess von Sinnflut erzählt er: „Im Vergleich zum letzten Album habe ich mir deutlich mehr Zeit gelassen. Aus weit über 500 Beats sind cirka 50 Songs entstanden, die alle lange auf einem Ordner meines Rechners schmorten, sich überwiegend parallel entwickelten und aneinander gereift sind. Das Album ist deshalb auch wieder deutlich homogener als Innere Sicherheit. Du machst es an, machst es aus und hast eine zusammenhängende Geschichte gehört, bei der dich ein Song zum nächsten leitet. Alle Leute, die die Platte gehört haben und meine Geschichte kennen, sagen ´Das ist das 2005/2006-Update von Von Innen Nach Aussen.´“
Während Innere Sicherheit als experimentierfreudige Platte in verschiedene Richtungen abbog, wird Curse von den sich soundästhetisch perfekt ergänzenden Instrumentals von Sashliq und Claud auf Sinnflut wieder zu seinen Wurzeln im HipHop zurück geführt. „Sashliq und Claud haben das Album als Main-Producer geprägt. Das übrigens auch inhaltlich, weil man sich mit Beiden intellektuell intensiv auseinander setzen kann und das zu Ideen und Konzepten führt. Ihr enormes Talent und ihr sample-hafter Umgang mit eingespielten Instrumenten hatten auch zur Folge, dass Sinnflut nichts von der auf dem Weg über Innere Sicherheit gewonnenen Musikalität eingebüßt hat.“
Was auf den überwiegend soullastigen und smooven Beats der Beiden stattfindet, ist in erster Linie Kino für den Kopf. Am beeindruckendsten hier sicher Herbstwind, ein von Claud produziertes, knapp neun-minütiges Stück in drei Akten. Atmosphärisch packend erzählt Curse die Geschichte einer auf zwei Kontinenten spielenden Beziehung, die zum Scheitern verurteilt zu sein scheint, und gibt tiefe Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten. Als intelligent umgesetztes und entspannt hörbares Konzept kommt Links Rechts daher, welches Curse´ Homie Italo Reno featured. Mit interessantem Ende stellen die Beiden in zwei Strophen zwei unterschiedliche Charaktere dar, die im Abstand von wenigen Minuten dieselben Orte passieren. Auch 24 hat seinen ganz eigenen Ansatz, lässt die Nacht eines One-Night-Stands filmisch am Hörer vorbei ziehen und demonstriert die Relativität von Zeit und Glück.
Einer der wichtigsten Songs des Albums dürfte Struggle feat. Samir sein - in nachgestellten Zwiegesprächen mit dem Mindener Nachwuchs mit teilweise realem Hintergrund, geht Curse aus eigener Erfahrungen schöpfend gegen die Perspektivlosigkeit der Jugend an – „each one teach one“ at its best! Als Beweis seiner Behauptung, kein Hater oder Anti-Typ zu sein, scheint Show Love mit Vanessa Mason zu fungieren und als Zugabe an die Techniker sind in C.U.R.S.E. die ersten Double-Time-Raps des Mindeners auf Platte zu hören.
Aufgenommen wurde das von Busy gemischte Sinnflut größtenteils in Curse´ eigenem Studio. Während man Sashliq von Sieben schon von zahllosen Curse-Classics wie Denk an mich, Soulmusik und Viel leichter kennt, ist Claud für viele sicher ein neuer Name. Wer Sinnflut hört, ahnt, dass dieser Zustand vorübergehender Natur bleiben wird. Nachdem Claud kürzlich schon mit Sektion Kuchikäschtli das erste Schweizer HipHop-Album ablieferte, welches mit Gold ausgezeichnet wurde, stellt er auf Sinnflut erneut enormes Talent als Arrangeur und Composer unter Beweis. Die ganz großen Namen kommen diesmal jedoch ausnahmsweise von jenseits des Atlantiks: „Ich bin unglaublich stolz, der erste Europäer zu sein, mit dem Pete Rock zusammen gearbeitet hat. Pete hat mir original zehn Beats zur Auswahl gegeben, und da waren richtig krasse Sachen dabei. Am Ende konnte ich ihn sogar dazu überreden, noch die Hookline zu singen - so ein bisschen wie bei The World Is Yours von Nas.“ Das zweite Instrumental aus den USA stammt von D.R. Period: „D.R. Period hat ja auch schon Beats für Samy und Afrob gemacht. Was die wenigsten jedoch wissen ist, dass er auch der Produzent von Ante Up, How about some hardcore? und Broken Language von Smooth Da Hustler und Trigger Da Gambler ist. Als ich ´96 in New York gewohnt habe, war das das Ding in Amerika. Davon hat er mir nun die 2005-Version gegeben.“
Quasi auf Anregung D.R. Periods hat Curse mit Blick auf das Original auch einen zweiten MC mit an Bord genommen und so seinen ersten Song mit Samy Deluxe gemacht. Neben dem schon erwähnten Pete Rock-Vokalbeitrag wird vor allem auch der Gastauftritt von Black Thought auf dem von Roy Marquis II produzierten Flutlicht für Aufsehen sorgen. „Hier geht es um Spitten und sonst nichts. Black Thought ist für mich schon ewig einer der ganz Großen und nun haben wir es geschafft, mit ihm während der letzten Europa-Tour der Roots diesen Song aufzunehmen.“ erzählt Curse euphorisiert über die Begegnung mit einem seiner Vorbilder.
Curse über die gegenwärtige deutschsprachige HipHop-Szene
Auch wenn Curse sein Album nur begrenzt als Stellungnahme zur aktuellen Entwicklung der hiesigen HipHop-Szene begreift, hat er als deren Bestandteil natürlich eine differenzierte Meinung: „Jede Münze hat zwei Seiten. Ich finde es richtig geil, dass nun auch endlich mal harter HipHop eine breite Plattform gefunden hat und nicht mehr nur Songs gehört werden, die schmoov oder jiggy und letztlich poppig sind. Einige Sache davon feier ich auch richtig. Was mir hier zurzeit aber fehlt, ist Gleichgewicht. In Amerika hast du für jeden Game einen Kanye West und für jeden 50 Cent gibt es Common. Game sagt aber nicht ´Fuck Kanye West´, sondern macht mit ihm gemeinsam Tracks. Für Jay Z sind Common und Talib Kweli die besten Rapper, und von Common hörst du ´Jay Z - he ´s the king of the game´. In den USA haben die Typen halt die Eier, zu sagen ´I like that shit´. In Deutschland ist dagegen alles extrem auf Hate. Wenn du Bushido heißt, kannst du Curse nicht geil finden, weil das in deinen Kreisen als uncool gilt. Wenn du Curse heißt, erwarten die Leute, dass du Sido scheiße findest. Es geht extrem viel über ´anti´ und Image. Viele MCs wurden in letzter Zeit nur bekannt, weil sie irgendwen gedisst oder ein so aufgeblasenes Image bekommen haben, dass sie nicht mehr zu übersehen waren. In den USA war Jay Z einfach so dope, dass man schlicht nicht an ihm vorbei kam. Das ist ein Unterschied und dafür respektiert zu werden, halte ich für erstrebenswert.“
Curse über seine Alben
Feuerwasser (2000)
„Beim ersten Album war ich noch „new in the game“ und wollte einfach alles abhaken: den Lady-Song, den Sauf-Song, den Diss-Song - jeden Style. Außerdem entstand Feuerwasser in einer Zeit krasser Umstellungen und Einschnitte in meinem Leben. All das sind Gründe, weshalb das Album im Vergleich zum Nachfolger eine weniger klare Ausrichtung hat.“
Von Innen Nach Aussen (2001)
„Auf Von Innen Nach Aussen musste ich dann extrem viel verarbeiten. Fünf Minuten vor Abgabe von Feuerwasser kam es ja noch zur Trennung von der Frau, die ich eigentlich heiraten wollte. Dennoch hatte sich Feuerwasser gut verkauft, und so galt es, mit starken positiven und negativen Erfahrungen klarzukommen. Ich habe ein lange Reise gemacht und ein ziemlich introvertiertes Album geschrieben, auf dem ich meine Situation reflektierte.“
Innere Sicherheit (2003)
„Bei Innere Sicherheit war es das dann erste Mal so, dass der Albumtitel schon vor dem Album selbst existierte. Innere Sicherheit bedeutete ´Ich bin Curse, habe mein Standing, kann machen, was ich will – also tue ich das auch!´. So entstanden der Reggae-Song, der Gospel-Song, der Song mit Piano usw. … Das hatte positive und negative Folgen. Positiv war, dass ich sehr viele Leute dazu gewonnen habe, vor allem älteres Publikum. Viele andere kamen dafür mit der Offenheit der Platte nicht klar und es war interessant festzustellen, wie schnell sich die Einstellung von Leuten in der Szene änderte. Menschen, die eben noch meinten ´Du bist der Shit, mein Homie, mein Freund´, wollten plötzlich nichts mehr mit mir zu tun haben. Die konnten das nicht trennen und nur sagen ´Ich finde das Album nicht cool´. Das hat mir unglaublich die Augen geöffnet.“
Sinnflut bildet nun den nächsten Schritt in dieser in sich logischen Entwicklung und liefert die Essenz von Curse. So wie es im Moment aussieht, wird es auch keineswegs sein letztes Album bleiben „Ich denke mir zwar oft ´Nicht mit mir Jungs, ich bin raus´, aber für jeden dieser Momente springe ich mindestens zweimal aus der Dusche, weil ich gerade wieder krasse Einfälle Lyrics hatte, die dann noch im Bad zu Papier gebracht werden müssen. Das zeigt mir immer wieder, dass es einfach nicht anders geht.“
(taken form www.curse.de)
Project:
- Online-Promo der Singles 'Gangsta Rap' , `Struggle`& dem Album `Sinnflut`
- Erstellung der für die Online-Promotion relevanten Features (E-cards, Banner, Popups, Video-Edits,...)
Website:
